posted by harrySmorgan on Aug 9
„Sag mal, hättest du nicht Lust, mal bei einem Dreh von mir dabei zu sein und anschließend eine Reportage darüber zu machen?“ Vor Schreck fällt mir beinahe die Kaffeetasse aus der Hand. Ich sitze neben Harry S. Morgan, dem Kult-Porno-Pionier, in seinem Essener Büro und sollte eigentlich nur ein Interview mit ihm führen. Und dann so was. Ein Pornodreh??? Was antwortet man nur auf so eine Frage?
„Klar. Gern. Wann denn?“ Harry S. Morgan lacht und klärt mich über die Details auf.
Zwei Wochen später mache ich mich auf den Weg nach Düsseldorf. Hier sollen heute einige Szenen für einen neuen Film mit Vivian Schmitt gefilmt werden, Arbeitstitel: „Der Geschlechtsvollzieher“. Noch während ich vor der Eingangstür des riesengroßen Gebäudes stehe und die richtige Klingel suche, gesellt sich ein junger Mann zu mir. Über der Schulter trägt er eine Kamera. „Hi“, sagt er. „You must be one of the girls.“
Ich eine der Pornodarstellerinnen? Na vielen Dank auch. Dabei habe ich mich doch bewusst seriös gestylt. Na gut, ein bisschen sexy ist mein Outfit schon, schließlich möchte ich unter den vielen heißen Mädchen nicht wie die graue Maus mit Stock im Arsch wirken.
Ich erkläre ihm, dass ich eine anständige Vertreterin der Presse und ausschließlich aus Gründen der Berichterstattung vor Ort sei, woraufhin er sich als Dokumentarfilmer aus Rotterdam vorstellt, der einen Beitrag über Sofia Valentine, eine der Darstellerinnen, dreht. Auch er feiert heute seine Porno-Premiere. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg zum Set.
Kurze Zeit später betreten mein neuer Freund und ich den Raum, in dem es gleich heiß hergehen wird. Groß und hell ist es hier, durch die große Fensterfront scheint die Mittagssonne herein.
„Hallo Schätzelein!“ Harry S. Morgan kommt freudestrahlend auf mich zu. Während er mich herzlich begrüßt, bemerken auch die Akteure die Anwesenheit der Neuankömmlinge. Diether von Stein, Dandy-like mit schmalem Oberlippenbart und noch ganz schick im Anzug, spielt einen Freier, der sich von einer jungen Nutte verführen lässt. Der niederländische Pornostar Sofia Valentine übernimmt die Rolle der verführerischen Hure. Ich bin überrascht. Mit ihren kurzen, dunklen Haaren, ihrem, von den Silikonbrüsten mal abgesehen, zierlichen Körper, der milchweißen Haut und einem wunderhübschen Gesicht irgendwo zwischen kleinem Mädchen und Teufelsbraut, könnte sie ein Model sein, ein It-Girl vielleicht. Aber ein Pornostar? Haben die nicht alle blonde Locken, sind braun gebrannt und sehen aus wie Pamela-Anderson-Doubles?
Sofia sieht mich mit ihren Katzenaugen an, und ich frage mich, ob sie sich über weitere Gäste am Set freut oder uns am liebsten auf den Mond schießen würde. Ich hole mein Notizbuch aus der Tasche und mache die Kamera startklar, obwohl mir bei dem Gedanken, wildfremde Menschen beim Ficken zu fotografieren, ganz komisch wird. Sei ein Profi, Pixie!, ermahne ich mich in Gedanken. Brust raus, Bauch rein und ja nichts anmerken lassen! Ich beobachte, wie das Team, bestehend aus Kameramann, Tonmann und Regisseur, mit den beiden Schauspielern die Szene bespricht. Sofia, die bereits mit Porno-Legende Rocco Siffredi gedreht hat, soll Diether zuerst mit einem kleinen Strip anmachen, bevor es zur Sache geht.
„Ruhe, wir drehen!“, sagt der Kameramann. Ich halte die Luft an. Sofia stolziert in mörderischen High Heels und einem hautengen Minikleid, das ihre prallen Brüste und ihren süßen, runden Po zur Geltung bringt, an Diether vorbei, baut sich breitbeinig vor ihm auf und beginnt, sich lasziv zu räkeln. Sie beugt sich über ihn, langsam, verführerisch, flüstert ihm etwas ins Ohr und fährt mit ihrer Zunge über seine Lippen. Wow. Wäre ich ein Typ, hätte ich jetzt eine Latte. Drei Meter lang. Mindestens.
Diether von Stein jedoch ist ganz Profi. Scheinbar unbeeindruckt verfolgt er Sofias Strip, sieht ihr dabei zu, wie sie das Kleid erst hochschiebt, damit er ihre Muschi bewundern kann, das Kleid dann ganz abstreift, ebenso wie den BH und den Slip, bis sie schließlich nur noch in schwarzen Nylons und einem lila Strapsgürtel vor ihm steht.
Harry S. Morgan sitzt währenddessen ein wenig abseits und betrachtet das Ganze auf einem Monitor. Zwischendurch gibt er kurze Anweisungen, lässt den Akteuren sonst aber alle Freiheiten.
In der nächsten Szene sitzt Sofia Valentine ihrem Drehpartner gegenüber auf einem Sessel und masturbiert. Und immer noch darf Diether von Stein nur zugucken, nicht anfassen. Die brünette Schönheit zeigt sich hemmungslos, spielt mit sich selbst, als wäre sie allein im Raum. Sie streichelt ihre blanke Pussy, schlägt sie ganz leicht, dann fester, steckt sich einen Finger ins Loch, dann zwei, zieht sie heraus und leckt ihren eigenen Saft genüsslich ab. Während Sofia es sich nach allen Regeln der Kunst, man verzeihe mir die Phrase, selbst besorgt, fallen mir zum ersten Mal ihre Tätowierungen auf. Große Blüten zieren ihren perfekten, flachen Bauch, auf ihrem Rücken prangt eine pinke Schwalbe mit einer Krone, daneben der Schriftzug „Queen of Seduction“, Königin der Verführung. Wie treffend.
Es folgt das Finale der Einstellung: Unter lautem Stöhnen kommt Sofia, ihre Brüste zittern, ihre Muschi ist nass, angeschwollen. Und dabei dachte ich immer, beim Porno wäre alles nur Fake… Dann beugt sie sich zu Diether von Stein vor und sagt mit rauer Stimme: „Now I’m ready for you“ – jetzt bin ich bereit für dich…
Kurze Pause. Die Darsteller machen sich frisch, das Team bespricht die nächsten Einstellungen, mein niederländischer Pressekollege hat sich aus dem Staub gemacht. Scheint wohl zu anstrengend gewesen zu sein. „Machen dich solche Aufnahmen nicht geil?“, frage ich Harry S. Morgan. „Nein“, antwortet er. „Nicht, weil ich abgestumpft bin, sondern weil ich während des Drehs zu viele andere Dinge im Kopf habe. Ist das Licht gut, wie wirkt die Perspektive? Eignet sich die Einstellung für ein Coverfoto?“ Tatsächlich springt er während des Drehs immer wieder ins Bild, um Fotos für die spätere DVD zu schießen.
„Es ist schon seltsam“, erzählt er weiter. „So viele Menschen träumen davon, einmal bei Porno-Dreharbeiten dabei zu sein. Nicht als Schauspieler, sondern als Zuschauer, so wie du jetzt. Wenn sich dieser Traum dann aber tatsächlich erfüllt, sind sie ganz still und verlegen.“ Ich beiße mir auf die Unterlippe. Ertappt. „Dass in jedem von uns ein Voyeur steckt, ist ein Irrtum. Fremden Menschen live beim Sex zuzusehen, erfüllt uns mit Scham. Das ist ganz natürlich und vor allem menschlich.“
Harrys Aussage imponiert mir. Eine so differenzierte Sicht der Dinge hätte ich von einem Pornoregisseur nicht erwartet. Als es weitergeht, fühle ich mich besser. Ich scheine weder unnormal noch prüde zu sein, nur weil mich die Situation ein wenig einschüchtert. Diether von Stein und Sofia Valentine ficken sich durch alle Positionen: Sie reitet ihn, schreit laut „Fuck me!“, lutscht seinen Schwanz, während er ihre Muschi leckt, er nimmt sie von hinten und besorgt es ihr schließlich ganz klassisch: Sie auf dem Rücken, ihre langen Beine um ihn geschlungen, er schwitzend und keuchend über ihr. Als es an den Cumshot geht, wende ich mich ab und schleiche mich vom Set. Schließlich soll man immer dann aufhören, wenn es am schönsten ist.