Archive for Juni 16th, 2009

posted by harrySmorgan on Jun 16

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zur Zeit befindet sich Harry in Hamburg, er sucht nach neuen Stars.

harry und Lilly

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posted by harrySmorgan on Jun 16

Wieviele Pornofilme ich seitdem gedreht habe? Keine Ahnung. Ich schätze mal: über 600. Aber nicht dass man jetzt denkt, ich wäre meiner Arbeit überdrüssig. Von Müdigkeit oder sogar Verschleißerscheinung keine Spur. Aus einem einfachen Grund: Weil ich Pornofilme nicht unter dem normalen Begriff sehe. Für mich ist das Drehen von Pornofilmen ein ständiger Wandel. Ich halte die Augen weit offen, was die Trends anbelangt. Was wollen die Leute? Wie verändern sich die Menschen?

In diesen Tagen ist »Maximum Perversum 100« erschienen. Es gibt also inzwischen 100 Filme meiner Serie – das hat es in Europa, in der ganzen Welt noch nicht gegeben, dass man derart erfolgreich eine Serie produziert … In den ersten Filmen dieser Serie zeigte ich Sachen, die es in dieser Form damals noch nicht gab. Zum Beispiel einen Faustfick. Oder Natursekt. Vor zwanzig Jahren waren das Begriffe, über die niemand öffentlich sprach. Heute, na ja, heute geht man als schmutziger Bauarbeiter in einen Chatroom und kann die Tussi, die einem antwortet – die in den meisten Fällen sowieso nur ein Fake ist –, gleich fragen: »Machst du auch NS?«

Diese Frage wäre vor 20 Jahren undenkbar gewesen. Weil ich aber damals den Mut hatte, diese Dinge zu zeigen, war ich durchaus ein Vorreiter für die Branche. Ich war der erste Regisseur, der vor 20 Jahren Natursekt zeigte. Das ergab sich eigentlich durch einen Zufall. Die Frau, mit der ich drehen wollte, erzählte mir davon. Sie sagte: »Ich finde pissen geil.« Ich selbst wusste nicht viel darüber, meinte deshalb nur: »Dann mach mal!«

Heute brauche ich das nicht mehr zeigen. Heute müsste ich stattdessen das Rheinstadion in Düsseldorf mieten, 28.000 Männer auf 32.000 Frauen pissen lassen, die gleichzeitig zurückpisssen. Wo ist die Grenze?

Das ist das größte Problem der Pornofilmer beziehungsweise der Pornografie allgemein – wir können nichts mehr zeigen. Im Grunde ist alles langweilig geworden, alles wurde schon mal gezeigt. Deshalb bin ich heute nicht mehr der Typ, der Filme macht, indem ich mir eine fiktive Geschichte ausdenke und daraus dann einen Pornofilm drehe.

Das Wort »Pornofilmer« ist für mich und meine Arbeit sowieso nicht unbedingt der richtige Begriff. Ich bin eher ein Reporter. Ich zeige Menschen. Realität. Wenn ich Vivian (lesen Sie das Gespräch mit Vivian Schmitt ab Seite XXX) oder Leonie (lesen Sie das Gespräch mit Leonie Saint ab Seite XXX) filme, dann zeige ich, wie sie morgens in Kreuzberg am Kiosk Brötchen kaufen und dabei von einem Studenten angequatscht werden. Die Zuschauer sagen: »Ah ja, das kann sein. Das kann ich nachvollziehen.« Oder sie sagen: »Ich selbst habe es erlebt, bin einer hübschen Frau über den Weg gelaufen, aber ich habe mich nicht getraut, sie anzusprechen.«

Auf diese Weise muss man heute Filme drehen. Dann erreicht man auch die jungen Zuschauer. Ich habe zum Beispiel eine Serie, die heißt »Junge Debütantinnen«. In dieser Serie stelle ich Newcomerinnen vor. Aber bevor ich sie in Aktion zeige, führe ich ein Interview, damit ich sie und alles das, was sie als Mensch ausmacht, kennen lernen kann. Der Sex ist dabei nebensächlich. Er findet immer erst ganz zum Schluß statt.

Vor allem junge Leute schreiben mir oft. Sie erklären mir: »Harry, das ist geil. Das war ein tolles Mädchen.« Die Zuschauer wollen die Darstellerin kennen lernen, wollen merken, dass sie kein unnahbares Sternchen ist, sondern wie du und ich. Sie wollen sich also auch ein bisschen in das Mädchen verlieben, in ihre Worte, ihr Lächeln, ihre Ausstrahlung. Interessant dabei ist ja, die wenigsten Leute sagen: »Das Mädel hatte eine tolle, rasierte Pussy.« Oder: »Sie hatte super Titten.« Nein, sie sagen: »Sie hatte ein tolles Lachen.« Oder: »Sie hat süß gesprochen.«

Der Erfolg von Gina Wild war ja , weil sie der „Star zum anfassen“ war

Das muss man wissen, wenn man Pornos für junge Leute dreht. Ich denke bei meinen Filmen nur an die jungen Leute. Ich denke nicht an die alten Säcke. Die gucken sich meine Filme sowieso an. Ich muss an den Nachwuchs denken.

Häufig stelle ich fest, dass die jungen Leute meine Art der Bilder sehr viel besser finden als die der anderen Filmemacher. Weil ich zum Beispiel Gesichter zeige. Quasi aus der Position des anderen Partners … Denn wenn man als Mann auf einer Frau liegt und sie knallt, dann guckt man ihr in die Augen. Dann ist es doch das Ziel, dass sie glücklich wird, dass sie einen Orgasmus kriegt. Wer kennt nicht die berühmte Frage: »Schatz, kommst du gleich?«

Den gemeinsamen Orgamus erleben Paare doch nur ganz selten. Wenn sie ihn erleben, dann fliegen einem als Mann die Ohren weg. Für den Mann gibt es ohnehin drei verschiedene Orgasmen: Der beste Orgasmus ist der, den man sich selber macht. Der zweitbeste Orgamus ist der, den man zusammen mit einer Frau erlebt. Das passiert vermutlich nur drei Mal im Leben. Der dritte Orgasmus ist immer scheiße, weil man beim Sex ständig noch andere Dinge im Kopf hatte – ein Problem, das in vielen Beziehungen existiert.

All diese Sachen muss man wissen, und wenn man sie bei seinen Filmen beherzigt und somit »Reality« macht, kann man auch heutzutage, im Jahr 2008, noch erfolgreich produzieren. Was wohl auch den Erfolg meiner Serie »Happy Video Privat« erklärt, die ich seit über 19 Jahren drehe. Ich besuche Paare jeder Altersgruppe und jeder Gesellschaftsschicht bei sich daheim, lasse mir von ihnen ihre Sexualität erzählen. Viele halten »Happy Video Privat« für Reality-Porn, ein Genre, das seit geraumer Zeit populär ist. Wenn man so will, habe ich mit »Happy Video Privat« den ersten, deutschen Privatporno gedreht. Ich wurde auch immer wieder kopiert, aber die anderen hatten nie Erfolg. Das liegt daran, dass ich eine ganz andere Art habe, mit den Paaren umzugehen. Ich mache viel mehr eine journalistische Arbeit, die über ein Konzept verfügt, die in der Fragestellung sehr intensiv auf die Menschen eingeht. Natürlich bin ich dabei nicht nur ernst, sondern auch lustig. Sex muss Spaß machen. Ich bin nicht der Typ für dummen, bösen Fetisch-Sex, bei dem ständig nur Befehle erteilt werden: »Knie nieder, Sklavin!« Selbstverständlich finde ich eine Sklavin geil, die niederkniet. Aber eine, die dabei grinst und dem Typen dadurch unverhohlen zu verstehen gibt: »Guck dich doch an, was du für ein Arschloch bist.« Das finde ich geil.

Ansonsten muss Sex Spaß machen. Dieser Auffassung war ich schon immer. Ich bin bekannt für lustige, spaßige Filme. Filme, bei denen man auch Häme zeigen kann. Ich war auch der erste Regisseur in Deutschland, der gezeigt hat, wie ein Mann, ein Ehemann, vor laufender Kamera nicht konnte. Das war aber nicht die Häme der Zuschauer … Der Effekt war vielmehr: Die Zuschauer konnten aufatmen, sie konnten sagen: »Ein Glück, ich hätte ja auch nicht gekonnt.«

Denn ich behaupte, 95 Prozent aller Männer können nicht vor einer laufenden Kamera. Das ist normal. Das ist gut so. Man muss ja auch noch ein bisschen Intimleben haben … Was auch ein Grund ist, warum ich noch nie in einem Film mitgespielt habe. Ich wüsste nicht, warum ich meinen Schwanz anderen Leuten zeigen muss. Außerdem weiß ich, dass ich es nicht kann. Weil ich zu den 95 Prozent der Männer gehöre, die normal sind. Wirklich normal. Und weil ich vielleicht ein bisschen mehr im Kopf habe. Es gibt zwei Typen von Männern: die einen haben ein riesiges Glied. Wenn deren Schwanz steif wird, herrscht Blutarmut im Hirn. Also sind die Männer meistens ein bisschen dümmlich. Die anderen, mit Durchschnitt bestückt, können ihren Kopf benutzen. Sie haben herausgefunden, dass sie bei Frauen Erfolg haben, weil sie humorvoll, charmant, intelligent, anregend sind, so dass die Frauen sagen: »Ein toller Mann. Und der Schwanz? Ist ja gar nicht so wichtig.«

Zu dieser Sorte Mann gehöre ich.

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