Archive for Mai 6th, 2009

posted by harrySmorgan on Mai 6

Ganz besonders intensiv hat der Regisseur sich als der Mann mit der Kappe immer mit dem Blick ins deutsche Privatleben beschäftigt und dabei festgestellt, daß der bevorzugte Piefke-Sex durchaus nicht nur 08/15-Blümchensex ist, wie mancher bis dahin vielleicht glaubte.

Diese Erkenntnis nutzte er für seine MAXIMUM PERVERSUM- und TEENY EXZESSE-Serie aus. Da wird gepisst, gefaustet und anal geschachtet, daß es nur so kracht.

Aber auch in das Innenleben von Männlein und Weiblein hat der Porno-Produzent, der “ganz normale Menschen von nebenan” bei ihren heimischen Aktivitäten filmt, einen tiefen Einblick im Laufe der Jahre gewonnen, und er bringt die Sache auf den Punkt: Männer “sind sprachlich gehemmt”, Frauen erzählen “viel interessanter, viel direkter, viel schweinischer.”

Harrys eigene Vorlieben und Geschmacksgrenzen geben dem Ganzen allerdings immer einen Rahmen. Alles mit der ihm eigenen Prise trockenen Humors und technischer Perfektion, die seine Filme weit über den durchschnittlichen Stumpfsinn heben. Am spannendsten für ihn selbst und auch für die Porno-Konsumenten ist aber zweifellos sein Schlüsselloch-Blick ins Schlafzimmer des deutschen Durchschnitts-Paares. Und selbst da kommen ihm seine “seriösen” Wurzeln des Journalismus zu Gute, wie er in einem Interview über seine Arbeit gern anschaulich erzählt: “In den drei Jahren bei der “BILD” habe ich richtig gelernt, wie man die Witwe des verunglückten Bergmanns möglichst clever aus ihrem Seelenschlaf rausholt, sie interviewt und gleichzeitig noch photographiert, dann das Photo des Verstorbenen mit der Kerze da hingestellt und sagt: Sie trauert um ihren verstorbenen Mann. War aber ne gute Schulung, weil man da gelernt hat, sehr hart zu werden und sehr auf den Punkt hinzuarbeiten. Bei einer “Spiegel”-Reportage über Pornographie 1972 habe ich einige Porno-Leute kennen gelernt. Die haben mich anschließend mal angerufen und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, so nebenbei ein bisserl Geld zu verdienen. Na, nun habe ich für die photographiert, ein paar Geschichten geschrieben und so.

Aber mein Ziel war immer, ins Regie-Fach zu gehen, und da gab´s eben einfach Probleme, und wenn man den Hunger hat, auf diesem Gebiet zu arbeiten, dann nimmt man auch Angebote in Sachen Pornographie an. Ich bin durch diese Branche auch schnell in etwas leitende Funktionen geraten, in denen ich ein bißchen meinen eigenen Stil, meine eigenen Ideen und meinen eigenen Willen durchsetzen konnte. Hinzu kam dann, daß ich irgendwann mal sagte “Porno an sich ist langweilig!” Es wird überall in der Welt produziert, Tausende von Minuten, und es ist immer das gleiche. Da besann ich mich des Journalisten in mir und dachte: Das Interessanteste ist ja eigentlich, wenn am Samstag beim Nachbarn gegenüber abends um 18 Uhr die Rolläden runtergehen, und alle Leute die Sportschau gucken. Wieso geht bei denen der Rolladen runter? Also sagen sie alle: Jetzt möchten wir mal gerne wissen, was da passiert. Also: Die Neugierde. Nun habe ich gesagt: Wir müssen einfach mal was anderes machen, wir müssen hingehen mit der Kamera, bei Leuten an die Tür klopfen und fragen: “Hört mal, was macht Ihr denn dann, wenn bei Euch die Rolläden runtergehen? Bumst Ihr dann oder was macht Ihr?” Und aus dieser Grundidee, die Neugierde des Nachbarn auszunutzen, kam es zu dieser Interview-Kiste.

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