posted by harrySmorgan on Mai 13
Wovon die Serie lebt, ist wohl der entlarvende Moment. Da gibt es ja diese wunderbare Szene, mit dem Paar, das schon sooo lange verheiratet war, und der Mann erzählt, wie das noch so gut klappt. Die wollen es unbedingt im kleinen Badezimmer treiben. Er will sie immer anal nehmen und sie sagt dann immer: ,Du Arschloch, du!` Da sagen doch die Zuschauer: Guck mal, bei denen klappt das ja auch nicht so.
Die meisten Leute stellen nämlich fest, daß sie selbst genauso sind. Der Wiedererkennungswert ist unglaublich groß! Die Leute sind so wahnsinnig gleich geeicht in ihrer Sexualität. Es gibt ganz, ganz wenige wirkliche Individualisten. Unter Individualist verstehe ich Männer oder Frauen, die zum Beispiel knallhart zugeben, daß sie nicht oft potent sind, weil sie arbeiten, weil sie Streß haben, oder so…
Sie reden immer über diese Potenz, immer über diesen Siegereffekt. Das hängt mit unserer Gesellschaft zusammen, weil, wenn du in einer Firma bist, und du bist der Schlaffschwanz und sagst, Ich kann heute nicht denken, weil ich müde bin, dann bist du ein Arschloch, dann bist du eigentlich auf der Kündigungsliste. Du wirst heute in der Schule getreten, im Kindergarten fängt´s an oder bei deiner Omi, dann machst du irgendeinen Job und da mußt du immer Leistung bringen. Der strahlende Gewinner in einer Firma, der Jungmanager, ist auch der, der die strahlende Frau auf der Gartenparty neben sich hat. Diese strahlende Frau muß eine tolle durchtrainierte Frau sein, und da muß das Sexualleben funktionieren, ja! Da werden die Abspritzer gezählt. Es ist ja alles nicht wahr: Dieses Größendenken, das wir immer noch haben, dieses ewige Diskutieren über die Schwanzlänge, obwohl sie alle wissen, daß die Größe des Penis für einen Orgasmus überhaupt nicht interessant ist.
Ich hab den ersten Piß-Film in Deutschland produziert. Dann fingen sie alle an, und es wurde pausenlos gepißt. Da habe ich mir gesagt: Wenn die ihr Pissen drehen, dann drehe ich es nicht mehr. Ich hab den ersten Faust-Fick in Deutschland gemacht. Jetzt haben sie alle Faust-Fick gemacht. Da laß ich es auch sein.
Man muß heute witzig und kurz drehen, muß Storys wieder reinbauen. Vor allen Dingen auch deswegen, weil wir ein neues Potential an Zuschauern haben, und zwar die Frauen. Das ist eine Gruppe, die sehr extrem guckt, die auch sehr viel extremere Pornographie akzeptiert, aber die diese Pornographie mundgerecht in Stückchen serviert bekommen will. Die Frauen wollen also langsam hingeführt werden und dann kann der Höhepunkt viel extremer und härter sein, als die Männer es je akzeptieren.
Der Porno zeigt Träume, und ich versuche immer, in die Träume der Leute reinzukriechen, um rauszukriegen, was sie gerne sehen möchten. Ich hab immer so Standard-Szenen. Zum Beispiel die Szene: Nachts nach Hause kommen, im Hausflur einen Fick, nen Quickie – auf der Mülltonne. Ich weiß von vielen Frauen, daß sie das gerne mal machen möchten.
Ich liebe Frauen, die dominieren! Ich liebe es! Weil es auch der Traum des Mannes ist. Der arbeitende Manager, der abends schlaff nach Hause kommt, träumt von der Frau, die die Initiative ergreift, weil er sich endlich mal hinlegen und sagen kann: Ach schön, jetzt machst du es mal! Also, ich liebe Frauen, die dominieren. Ich schwöre es Euch: Ist doch ne geile Kiste, sie bläst dir den Schwanz und schiebt dir nen Finger in den Arsch. Und dann sagt sie: Na? Dann spürst du das und da merkst du, wie dir die Eier platzen.
Mein größter Wunsch wäre übrigens, daß Porno wieder verboten wäre! Dann würde die ganze Mainstream-Scheiße erstmal vom Markt wegkommen und man könnte im Underground wieder richtig gute Pornos machen. Wenn das dann wieder erlaubt wäre, würde ein ganz kleiner Haufen von Fachleuten übrig bleiben.”
Ohne jeden Zweifel, zu diesen ganz wenigen Fachleuten würde Harry S. Morgan gehören. Seit 1980 hat er mit seinem Gespür für Menschen und ihre Bedürfnisse Trends entwickelt, die ihm immer wieder neue Auszeichnungen einbrachten. So u.a. die Venus Awards für die beste Regie, die beste Serien-Regie und die beste Serie.